Zwischen Selbstoptimierung und Selbstliebe: warum diese Konzepte vielleicht doch Hand in Hand gehen können

Manchmal komme ich mir ein bisschen heuchlerisch vor. Wenn ich aus 300 ähnlichen Bildern das Vorteilhafteste wähle, es nachträglich bearbeite, einen hübschen Filter drüber lege und es dann mit Hashtags wie #selflovejourney versehe. Wenn ich sage, wie wichtig es ist, auf den eigenen Körper zu hören, aber trotzdem mit Erkältung zum Sport laufe. Wenn ich andere für das bloße Versuchen von etwas lobe, aber mir selbst keine mittelmäßigen Ergebnisse eingestehen kann. Wenn ich mich als Anhängerin von Body Positivity sehe, alle Körperformen für schön erkläre, aber gleichzeitig vor dem Spiegel stehe und eine ganz genaue Vorstellung habe, wie mein eigener Körper aussehen soll, damit ich ihn mag. Und dann frage ich mich:

Ist es paradox, dass ich mich für Selbstliebe und -akzeptanz ausspreche, gleichzeitig aber ständig an mir herum optimiere?

Ich habe darüber nachgedacht und ich glaube, so verrückt es klingen mag: Nein. Ich bin davon überzeugt, dass diese beiden Dinge sich nicht zwangsläufig ausschließen, vielleicht können sie sogar Hand in Hand gehen. Denn wenn Disziplin und Ehrgeiz nun mal Eigenschaften von mir sind und ich mich selbst akzeptieren möchte, dann muss ich es doch eben auch mit diesen Dingen tun.  Sich so lieben wie man ist muss doch nicht bedeuten, dass man keinen Einfluss darauf haben darf, wie man ist.
Wie bei so vielen Dingen im Leben, kommt es wohl auf die Balance an. Dass man gerne an sich arbeitet sollte nicht bedeuten, dass man sich selbst zu ernst nimmt. Und dass man sich selbst lieben und akzeptieren möchte, muss nicht bedeuten, dass man nicht weiter an sich arbeiten darf und das man immer von vornherein mit sich zufrieden ist- wer ist das schon? Denn irgendwie ist Selbstoptimierung doch auch eine Form der Selbstliebe. Sich selbst wichtig sein und deswegen verbessern wollen. Die zufriedenste und beste Version seiner selbst werden. Sich weiter entwickeln, weil man Ziele für sich hat. Weil man eben das Beste für sich möchte. Und deswegen glaube ich, dass sich die beiden Konzepte sich eigentlich gar nicht ausschließen, sondern in einem gewissen Maß sogar zusammen gehören.

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