Emotionale Achterbahnfahrt: Ich weiß nicht, wie es mir geht…

„Wie geht es dir?“ – das ist wohl eine der häufigsten Fragen, die man sowohl in Small Talk wie auch Deep Talk Gesprächen gerne mal stellt. Ich find’s nett, ich find’s noch netter, wenn es ehrlich gemeint ist und jemand nicht nur eine Floskel hervorbringt und auf eine Floskelantwort wie „gut“ hofft. Gleichzeitig ist diese Frage für mich in den meisten Fällen zu einer echten Herausforderung geworden.

Die Schwierigkeit, Gefühle einzuordnen

Meine Therapeutin hat mir irgendwann mal eine Liste mit Emotionen gegeben, weil ich nie genau wusste, wie ich auf ihr „Wie geht es Ihnen heute?“ antworten sollte. Meist habe ich sie angeguckt, bin etwas in meinem Stuhl rumgerutscht und habe dann „soweit gut…denke ich?“ gesagt. Oder eher gefragt. Als wüsste sie es schon besser, als müsste es irgendwer wissen, wenn ich es schon nicht selber nicht weiß, wo ich mich gerade innerhalb meiner Emotionalen Achterbahnfahrt befinde. So leicht durfte ich es mir aber leider nicht machen, also musste ich aus der Liste wählen. Funfact: ich war dankbar für Adjektive wie „verwirrt“, „unentschlossen“ und „unsicher“ – die haben mich immer gerettet. Wir haben auch Achtsamkeitsübungen probiert, in denen ich mich darauf konzentrieren sollte, wie es mir geht. Das Problem ist, dass ich dann eher dazu neige, auf mein körperliches Empfinden zu achten. Plötzlich bekam ich Atembeschwerden, alles kribbelte etwas und ein bisschen Bauchweh war da irgendwie auch. Aber das ist ja nur mein Körper, der auf irgendwas reagiert, was ich nicht zuordnen kann.

Emotionale Achterbahnfahrt: ich fühle alles und von allem zu viel

Ich habe also Schwierigkeiten, meine Gefühle einzuordnen. Hinzu kommt, dass ich an einem Tag gerne mal die ganze Palette durchlebe. Ich versuche, ein positives Mindset zu halten, also starte ich eigentlich immer „soweit so gut gelaunt“ in den Tag. Dann grüßen irgendwann erste Unsicherheiten, Ängste und Zweifel. Später kommt eine Portion innere Leere dazu, die sich aber für einen Hohlraum eigentlich ziemlich schwer anfühlt. Ich bin ziemlich gut darin, mich aus solchen „lows“ wieder rauszuholen, meine negativen Gefühle in Produktivität zu verwandeln und mich so wieder gut, energetisch und erfolgreich zu fühlen. Bis dann Ruhe einkehrt und die Gefühle wieder anklopfen.

Diese Emotionale Achterbahnfahrt klingt anstrengend finde ich, so von außen betrachtet, während ich das Ganze nochmal gegenlese. Und dennoch denke ich, dass sich viele damit identifizieren können, nicht wirklich genau zu wissen, wie es ihnen geht. Deswegen ist diese Frage doch eigentlich niemals mit einer Floskel zu beantworten. Lass‘ uns komplexere Antworten finden, kein schwarz weiß, Grauzonen oder viel mehr die ganze Farbpalette. Es gibt doch nichts vielfältigeres als Gefühle. Warum sollten wir ihnen also nur eine Plattitüde widmen?

Die Foto Credits gehen an @kam.photography_ (look up her Insta! <3)

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