Dinge, die ich in der Therapie lernen durfte

Erstmal an alle, die überlegen, eine Therapie zu machen aber Ängste davor haben oder mit den bestehenden Vorurteilen zu kämpfen haben: nicht für jede_n ist die Therapie das richtige Mittel, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sehr, sehr viele Menschen davon profitieren können. Und eins ist ganz klar: es besteht absolut kein Grund, sich dafür zu schämen! Sich Hilfe zu suchen ist wohl das Stärkste, was man tun kann.

Ich stehe, obwohl es nicht meine erste Therapie ist, wohl immer noch relativ am Anfang, aber trotzdem durfte ich bereits so unfassbar wichtige Dinge mitnehmen, die ich gerne – ohne zu sehr ins persönliche abzurutschen – mit euch teilen möchte.

1. Es ist okay, eigene Bedürfnisse zu haben und sie zu kommunizieren

Obwohl ich mir sehr sicher bin, nein, ich weiß es sogar, dass ich eine sehr starke eigene Meinung habe und diese auch kommunizieren kann, sieht das bei meinen Bedürfnissen anders aus. Es fällt mir also leicht, für meine Werte, Ansichten und Überzeugungen einzustehen, aber nicht für mich selbst. Sobald es u etwas geht, was mich persönlich betrifft, was ich brauche oder nicht brauche, will oder nicht will, tue ich mich oft sehr schwer. Damit stehe ich mir oft selbst im Weg, weil es Beziehungen erschwert. Ich erwarte manchmal, dass diese Bedürfnisse erfüllt oder Grezen respektiert werden und werde böse, wenn das nicht der Fall ist. Jedoch liegt der Fehler eher darin, dass ich sie gar nicht erst kommuniziert habe. Beziehungen und Freundschaften können sehr davon profitieren, wenn man offen darüber spricht. Das macht mich nicht kompliziert, sondern zu einer einzigartigen Person mit eigenen Wünschen, nötigen Freiräumen und vor allem der Fähigkeit, für sich selbst einzustehen.

2. Pausen sind Pausen, weil sie zwischendurch kommen – nicht erst am Ende

Als Studentin und Selbstständige habe ich eigentlich immer „irgendwas“ zu tun. Dazu kommt, dass ich sehr ungerne Sachen liegen lasse. Keine gute Kombination.  Denn es ist einfach nicht möglich, alles auf einmal zu machen und alles abzuhaken – und nötig ist es auch nicht. Meine Therapeutin hat mir das so erklärt: wenn man mit dem Auto fährt, sollte man  nicht unbedingt erst ans Tanken denken, wenn das Auto schon liegen geblieben ist! Also sollten wir uns auch nicht erst dann Pausen gönnen, wenn wir wirklich völlig ausgelaugt bis auf den letzten Rest sind. Man kann viel  mehr Kraft aus Pausen ziehen, wenn sie sinnvoll eingebaut werden. Und abgesehen davon arbeitet man auch viel effizienter, wenn man nicht am Energielevel ist.

3. Unser Glücklichsein hängt oft viel mehr mit unserem Kopf, als mit den Umständen zusammen

Wie oft ich gedacht habe, dass ich glücklich sein werde, wenn xy passiert. Here I am, xy ist passiert, sogar z auch noch, aber richtig glücklich war ich trotzdem nicht. Dafür habe ich manchmal Tage, an denen objektiv überhaupt nichts besonderes passiert. Und plötzlich fühle ich mich einfach so sehr glücklich. Und daran habe ich festgestellt, dass Glück wirklich von innen kommt.
„Die äußeren Umstände bieten eine gute Basis, aber das Wichtigste ist, wie es in einem drin aussieht. Und sein Glück nur von äußeren Umständen wie Beruf, Geld etc. festzumachen, kann sehr gefährlich sein – das ist ein wackeliges Gerüst.“ So in etwa hat meine Therapeutin es mir erklärt. Und ich finde gerade in der aktuellen Corona-Zeit ist mir das so bewusst geworden, wie nie zuvor.  Jetzt merkt man erst, wie wichtig es ist, mit sich selbst zufrieden zu sein. Denn was uns in dieser Krise bleibt, sind wir selbst. Und wenn wir es mit uns schlecht aushalten können, kann so eine Selbstisolation sehr, sehr unangenehm werden… Das klingt vielleicht erstmal ernüchternd, aber ich habe es als Chance gesehen. Vielleicht muss ich nicht die Welt verändern, um glücklich zu werden, sondern viel mehr meine Wahrnehmung. Und das hat man doch viel eher in der Hand!

Therapie

 

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